Sommerzeit! Einfach mal abschalten.

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Einen Tag lang nicht erreichbar sein. Vollständig abschalten und mich aus dem Alltag ausklinken. Das kam seit meiner Wahl zur Grossrätin eindeutig zu kurz. Und so geniesse ich es, mich während den Sommermonaten immer mal wieder aus dem Alltag auszuklinken.

Zum Abschalten gibt es für mich drei Wege: 1. Entweder Motorrad satteln und in die Pässe oder den Jura fahren oder 2. das Kajak packen und durch ein Gewässer Paddeln und 3. kann jäten richtiggehend meditativ sein. Am Wochenende und während den Sommerferien als Motorradfahrerin auf der Strasse unterwegs zu sein, ist so ziemlich alles, ausser entspannend. Bei brennender Hitze den Garten jäten schien mir auch nicht attraktiv. So fiel die Wahl für meinen letzten Auszeit-Tag, ohne lange zu überlegen, auf die Kajaktour.

Auf der Aare gibt es insgesamt 120 Fluss-Kilometer offizielle Paddelstrecke. Davon sind mir die zwanzig Kilometer zwischen Thun und Bern bekannt. Die übrige Aare kenne ich noch nicht besonders gut. So beschloss ich, den Flussabschnitt zwischen Büren an der Aare und Solothurn (17 Kilometer) unter den Kiel zu nehmen.

Ich habe mir diesen Frühling ein Faltkajak angeschafft. Das hat den Vorteil, dass ich es in einer Tasche verstauen und sehr einfach transportieren kann. Dafür muss ich es dann am Wasser immer erst aufbauen, bevor ich loslegen kann. Wahnsinnig routiniert bin ich noch nicht und so dauerte der Aufbau rund eine halbe Stunde. Die Mittagssonne stand schon hoch, als ich mein Kajak wasserte. Ich rechnete mit vier Stunden Fahrtzeit für die 17 Kilometer und sah einem ruhigen Nachmittag entgegen.

Die schier endlose Weite der Aare zwischen Büren und Solothurn

Die erste Stunde paddelte ich auf dem träge dahinfliessenden Strom nach Rüti bei Büren. Dort ging ich an Land um etwas zu essen. Gut verpackt in einem wasserdichten Sack hatte ich mein PicNic und 2 Liter Wasser dabei. Ich sass nicht lange dort, als zwei Hundehalterinnen mit ihren vier Vierbeinern ans Wasser kamen. Wir wechselten ein paar Worte und lachten herzhaft, als sich der älteste der vier Hunde lieber von mir kraulen liess, als dass er sein Wasserspielzeug apportieren mochte.

Nach der kurzen Pause ging es weiter in Richtung Arch. Zwischen Arch und Altreu paddelte ich unter zwei Autobahnbrücken hinduch. Brücken haben für mich etwas Faszinierendes. Insbesondere wenn man darunter steht – oder wie ich darunter sitzt – und sich die Konstruktion ansieht. Ich staune immer wieder darüber, dass sich diese Masse an Stahl, Asphalt und Beton spannen lässt, ohne in sich zusammenzufallen.

In weiten Kurven und gemächlich fliessend schlängelt sich die Aare von Arch nach Solothurn. Unterwegs passierte ich auch die Storchensiedlung in Altreu. Schon von weitem konnte ich fünf oder sechs riesige Storchennester auf Bäumen und Hausdächern erkennen. Es schien, als seien die Storchenkücken bereits nahezu ausgewachsen. In den Nestern waren jedenfalls mehr als zwei grosse Störche auszumachen. Ich überlegte mir kurz, an Land zu gehen und mir die Siedlung von nahem anzusehen. Ein nahendes Kursschiff, das ganz sicher in Altreu anlegen würde und mir damit gefährlich nahekommen könnte, nahm mir die Entscheidung ab. Ich paddelte weiter.

Einen Teil der Storchensiedlung von Altreu

Kursschiffe sind für Kajaker ungfährlich, wenn man zwei Regeln beachtet: Erstens: aus dem Weg paddeln. Ich halte mich prinzipiell immer eher rechts von der Flussmitte, damit Motorboote und Schiffe problemlos an mir vorbei kommen. Zweitens: Das Kajak rechtwinklig zu den Heckwellen der Schiffe stellen. Denn wenn man mit der Kajakspitze voran auf Wellen zupaddelt, fährt man die Welle hoch und wieder runter. Steht man seitwärts zur Welle, kann sie über den Kajakrand in das Boot schwappen. Ist die Welle gross, kann sie einem im schlechtesten Fall sogar zum Kentern bringen.

Altreu lag ungefähr auf 2/3 der Strecke und ich spürte, dass meine Muskulatur zusehends müde wurden. Zeit, eine längere Rast einzulegen. Kurz hinter einem Flussbad fand ich einen kleinen Kieselstrand, an dem ich mühelos anlegen und mich kurz hinlegen konnte. Das « gemeine » am Flusswandern (Flusstouren mit dem Kajak oder Kanu) ist, dass man in der Regel nicht frühzeitig abbrechen kann. Man hat einen festen Start- und Zielpunkt. Ich hatte aber auch nicht vor, mich auf den Rückweg zu machen. Es war Nachmittags um halb vier und ich lag damit noch gut in der Zeit. Eine längere Pause, ein paar Züge schwimmen und im Schatten etwas dösen, konnte ich mir gut leisten. Einzig mein Wasservorrat schwand schneller als gedacht.  Die Temperatur lag bei 28 Grad und auch wenn ich gemächlich unterwegs war, so verbrauchte mein Körper doch einiges an Flüssigkeit.

Nach der Pause nahm ich die letzten Flusskehren bis nach Solothurn unter den Kiel – dachte ich zumindest. Tatsächlich hatte ich mich in der Distanz verschätzt und ich hatte noch rund eine halbe Stunde länger zu paddeln, bis ich in der Zähringerstadt ankam. Zu meiner Überraschung war dies jedoch der schönste Teil der Strecke. Kurz vor Solothurn war die Gewässerkorrektur der Aare nicht mehr ganz so gut sichtbar. Trauerweiden wuchsen über das Ufer und liessen ihre Äste märchenhaft ins Wasser hängen. Die Ufervegetation war sehr grün und weit und breit war keine Zivilisation zu sehen. Diese Wildheit, die sich auf den letzten Kilometern vor Solothurn eröffnete, hatte ich zuvor etwas vermisst. Auf der Strecke Thun – Bern, die ich regelmässig befahre, sind die Ufer manchmal kilometerlang wie von Menschenhand unberührt. Solche Szenerien mag ich sehr.

Die Einfahrt in die Stadt Solothurn

Kurz nach 17 Uhr kam ich in Solothurn an. Dass die Stadt näher rückte, bemerkte ich schon eine Viertelstunde, bevor ich am Wehrturm ankam: Ich überholte vermehrt Standup-Paddlerinnen und junge Menschen, die mit ihren Gummibooten im Fluss dümpelten. Mit dem Kajak mitten in die historische Altstadt Solothurns einzufahren, war ein tolles Gefühl. Ich bin immer wieder verzaubert von der besonderen Perspektive, die man sitzend im Kajak hat: Für mich wirkt die ganze Welt imposanter, intensiver und lebendiger. Wohl, weil ich an den meisten Dingen hochschaue, aber auch, weil ich langsamer und damit bewusster unterwegs bin.

Die Auswasserungsstelle in Solothurn liegt gleich hinter dem Postplatz. Dort ging ich mit meinem Boot ein letztes Mal für diesen Tag an Land. Unter den neugierigen Blicken der Passanten baute ich mein Boot wieder auseiander und verstaute alles in der Tasche, schulterte diese und machte mich zu Fuss auf in Richtung Bahnhof. Der Zufall meinte es gut mit mir: Ich hatte gerade noch genug Zeit, mir ein Soft-Ice zu holen, bevor der Bus eintraf, der mich wieder nach Büren fuhr. Von der Strasse aus konnte ich immer wieder Teile der Aare erkennen, auf der ich noch vor kurzer Zeit in gleichmässigen Paddelschlägen dahinglitt. Körperlich war ich so richtig geschafft. Aber mein Kopf fühlte sich an, als wäre ich eine Woche im Urlaub gewesen.

 

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