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Überzeugen statt copy-pasten

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Als Kommunikationsverantwortliche verbringe ich so einige Zeit an Sitzungen und bin es gewohnt, dass manche Menschen mit ihren Äusserungen mehr und manche weniger zum Vorwärtskommen einer Sache beitragen. In der Politik ist das nicht anders. Da gibt es Exponenten, die pointiert, inhaltlich korrekt, strategisch brillant und rhetorisch stark argumentieren und eine Debatte damit richtungsweisend beeinflussen. Und dann gibt es noch die weniger pointierten und sachlichen Redner, die zum hundertsten Male Argumente durchkauen, die bereits die Vorredner ausgebreitet haben und schlussendlich zwar fünfzehn Minuten referiert, aber nichts Neues gesagt haben.

Wenn Politik nervt

Mein Facebook-Feed glich in den letzten Wochen eindeutig dem zweiten Beispiel. No Billag. Überall war ein „Nein zu No Billag“ zu lesen. Jeder zweite Post prophezeite die verheerenden Auswirkungen der No Billag-Initiative und ich glaubte ab und an, dass die Schweiz und ich in Katastrophenszenarien versinken wie in Treibsand. Ich bin selbst auch keine Befürworterin dieser Initiative und erachte ich die Diskussionen darüber als wichtig. Wie auch bei allen anderen Abstimmungen und Wahlen auch. Politik geht uns alle an. Als Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben wir das Privileg, grosse Teile unserer Politik mitgestalten zu können. Das sollten wir unbedingt nutzen. Wir sollten uns mit den politischen Meinungen auseinandersetzen. Aber ist es wirklich nötig, dass wir in den sozialen Medien, Leserbriefen und Kolumnen zum hundertsten Mal die Argumente unserer Vorredner/-innen per „copy paste“ wiedergeben?

Seitenweise Posts ohne wirklichen Inhalt. Zum Haare raufen.

Mir geht das richtiggehend auf die Nerven. Es fehlen die persönlichen Geschichten und Argumente der Menschen. Was wäre dein persönlicher Verlust, wenn die Schweiz keine eigene Fernseh- und Radiosender mehr betreiben könnte und weshalb? Vielleicht wäre es die Serie „der Bestatter“ und die Tagesschau interessiert dich kein bisschen. Vielleicht wäre es der „Black Music Special“ und du hast noch nie das Regionaljournal gehört. Vielleicht wachst du aber auch jeden Tag mit den 6-Uhr-Nachrichten auf und gehst nach dem Meteo zu Bett. Egal! Alles wäre interessanter zu lesen, als zum hundertsten Male die nichtssagende Worthülse „No Billag gefährdet unsere Demokratie“

Es gibt wunderbare Schemas dazu, wie man schlüssig argumentieren und überzeugen kann, so dass dem Gegenüber ein Licht aufgeht.

Beispielsweise:

Ausgangsanlage: No Billag will in der Verfassung verankern, dass in der Schweiz in Friedenszeiten keine staatlichen Radio- und Fernsehsendungen betrieben werden.

Argument: Diese Initiative solltest du ablehnen, denn sie gefährdet die Demokratie.

Begründung: weil kommerzielle Radio- und Fernsehsender nicht unabhängig sind. Sie sind auf den Goodwill ihrer Geldgeber angewiesen und könnten daher für manipulative Zwecke missbraucht werden. Besser wäre:

Eigener Lösungsvorschlag: ???

Schlussfolgerung und Appell: Aber darüber können wir bei No Billag nicht abstimmen. Die Abstimmungsfrage lautet: Sollen staatliche Radio- und Fernsehsender abgeschafft werden? Deshalb ist es besser, ein Nein einzulegen und eine Reform anzustreben, die der Schweiz auch zu Friedenszeiten erlaubt, eigene Radio- und Fernsehsender zu betreiben.

 

Überzeuge. Auch die Politiker/-innen, die du wählst

Und da springt es mich schon an, das fehlende Teil, das aus Abstimmungskampf ein Ärgernis macht: Es fehlt oftmals eine eigene Idee oder Vorstellung, wie die aktuelle Situation verbessert werden könnte. Dabei wäre doch genau das interessant; die Ideen der Bürgerinnen und Bürger! Genau dafür ist unsere Demokratie ja da: Damit wir unsere eigenen Ideen einbringen können. Zugegeben, auf dem direkten Weg über die sozialen Medien oder per Leserbrief funktioniert das nicht. Deshalb sind die kommenden Wahlen ja auch so wichtig.

Am 25. März 2018 wählen wir im Kanton Bern sowohl die Regierung (Regierungsrat) als auch das Parlament (Grosser Rat) neu. Diese Menschen, die sich für ein Amt in der Regierung oder im Parlament zur Verfügung stellen, sind Volksvertreterinnen und Volksvertreter. Ihre Aufgabe ist es, die Ideen der Bürgerinnen und Bürger im Kanton Bern umzusetzen.

Darum: geht wählen! Egal ob ihr nun Grünliberal oder kunterbunt wählt, wählt! Wählt die Menschen, von denen ihr glaubt, dass sie eure Ideen für die nächsten vier Jahre im Kanton Bern mitvertreten. Und scheut euch nicht, diesen Menschen persönlich zu sagen, was ihr von ihnen erwartet. Überzeugt sie von euren Anliegen. Auch mich.

Portraitfoto Barbara Stucki Grünliberale

In welchen Bereichen soll ich mich als Grossrätin für was stark machen? Und weshalb?
Ich bin gespannt auf deine Nachricht oder Kommentar (unten), deine Ideen und Vorstellungen.

 

Die Abstimmungen vom 4. März 2018 sind natürlich auch wichtig. Stimmzettel schon ausgefüllt und abegeben?

Ja? Ich auch. Gutes Gefühl, oder?

Nein? Dann wäre das doch grad ein Projekt für heute Abend.

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